Geschichte und Erinnerung

In der Geschichtswerkstatt des Aktiven Museums Spiegelgasse (AMS) sind neben ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch Nachwuchswissenschaftler tätig, die einzelne Aspekte der deutsch-jüdischen Geschichte Wiesbadens erforschen.

Namentliches Gedenken. Tot ist nur, wer vergessen wird, sagt ein Sprichwort. In der jüdischen Tradition hat die namentliche Erinnerung an die Toten große Bedeutung. Das namentliche Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus ist auch ein zentrales Anliegen des Aktiven Museums Spiegelgasse.

Mahnmal für alle Wiesbadener Shoa-Opfer. Am historischen Ort Michelsberg, wo bis Anfang der 1940er Jahre die Wiesbadener Hauptsynagoge stand, soll ein Mahnmal entstehen, um der rund 1500 Wiesbadener Shoa-Opfer namentlich zu gedenken. Dies hat das Wiesbadener Stadtparlament mit großer Mehrheit beschlossen. Das AMS erstellt gemeinsam mit dem Stadtarchiv Wiesbaden eine Datenbank, in der alle im sogenannten Dritten Reich ermordeten Juden aus Wiesbaden erfasst werden. Sämtliche Namen werden in der Gedenkstätte am Michelsberg zu lesen sein.

Kontakt zu den Nachkommen der Shoa-Opfer. Die Nachkommen, die sich retten konnten, leben heute in alle Welt verstreut und haben dem Land und der Stadt, die ihnen so viel Leid zugefügt haben, den Rücken gekehrt. Wenn wir vom AMS ihren heutigen Wohnsitz in Erfahrung bringen können, nehmen wir zu ihnen Kontakt auf. Manche von ihnen wenden sich aber auch an uns oder werden von der Stadt Wiesbaden an uns verwiesen, wenn sie Informationen über das Leben und das Schicksal ihrer Familie haben möchten. Einige fragen gezielt nach der Genealogie ihrer Familie. In den meisten Fällen können wir ihnen helfen. Auch wenn bei vielen das Trauma noch immer sehr tief sitzt, erfahren wir oft dankbare Zustimmung von den Nachkommen, wenn sie hören, dass es in Wiesbaden Menschen gibt, die das Andenken an die ermordeten Familienangehörigen wachhalten wollen.

Das AMS hat in Wiesbaden die Organisation für die Verlegung von Stolpersteinen nach der Idee von Gunter Demnig übernommen. Die Steine tragen die Namen ermordeter oder in den Freitod getriebener Menschen und werden vor dem Haus verlegt, in dem die letzte freiwillige Wohnung des Opfers war.

Parallel zu den Stolpersteinen veröffentlicht das Aktive Museum regelmäßig Erinnerungs­blätter, die das Schicksal von Wiesbadener NS-Opfern beschreiben. Durch intensive Recherchen wird die Lebensgeschichte verfolgter ehemaliger Bürgerinnen und Bürger aus der Anonymität geholt. Die Erinnerungsblätter werden am Michelsberg, dem Ort der ehemaligen Synagoge, jeweils für vier Wochen in einem Schaukasten ausgehängt.

Die Finanzierung der Stolpersteine und Erinnerungsblätter erfolgt über Patenschaften.

Mit dem Angebot, sich auf Spurensuche bei Stadtrundgängen zu begeben, präsentiert das AMS verschiedene Ausschnitte der deutsch-jüdischen Geschichte Wiesbadens an den historischen Orten.

„Bringt Gräber zum Sprechen“ lautet der Titel eines Friedhofsprojektes, bei dem die Grabinschriften auf dem altisraelitischen Friedhof am Hellkundweg entziffert werden. Die Inschriften lassen ein vielfältiges Bild des jüdischen Alltagslebens im 19. Jahrhundert entstehen.


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