Sammlungen / Archiv

Seit seinem Bestehen hat das Aktive Museum Spiegelgasse diverse Sammlungen und Dokumentationen angelegt, die für seine Forschungen (Geschichte und Erinnerung) und seine pädagogische Bildungsarbeit wichtig und nützlich sind. Dieser Bereich wird von der Paul Lazarus Stiftung, der Stiftung des Aktiven Museums Spiegelgasse,  betreut.

  • Foto- und Dia-Archiv
  • Tondokumente – insbesondere Interviews mit Zeitzeugen
  • Filme (Videos und DVDs) in eigener Produktion und Aufzeichnungen von für die Arbeit des Aktiven Museums Spiegelgasse relevanten TV-Beiträgen
  • Datei der derzeit bekannten 1507 Shoah-Opfer aus Wiesbaden
  • Sammlung von biographischen Dokumenten und Daten ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Wiesbaden
  • Sammlung der Korrespondenz mit ehemaligen jüdischen Bürgern Wiesbadens und deren Nachkommen
  • Sammlung zu Nationalsozialismus, Widerstand und Verfolgung in Wiesbaden
  • Dokumentation der öffentlichen Mahnmal-Diskussion in Wiesbaden und der Auseinandersetzung um eine zeitgemäße Erinnerungskultur
  • Dokumentation von Veranstaltungen und Ausstellungen des Aktiven Museums Spiegelgasse
  • Archivalienzu diversen Bereichen:
    • jüdisches Leben bis zum Ersten Weltkrieg (z.B. Genisa Delkenheim um 1800 mit Schutzbrief und Recherche zum Genisa-Fund , PRESSE)
    • Nachlässe (z.B. der Briefwechsel der Familie Frankel 1939−1942, die Korrespondenz von Oppenheimer mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut Berlin)
    • jüdische Firmen der Weimarer Republik (z.B. Zigarettenfabrik Keiles)

 In der Aufbauphase des Aktiven Museums Spiegelgasse und noch Jahre danach hatten diese Sammlungen eher den Charakter einer „Ansammlung“. Dank städtischer Sondermittel (Namentliches Gedenken) seit 2003 und gezielter Drittmittel ist das Aktive Museum Spiegelgasse auch durch die Gründung der Paul Lazarus Stiftung in der Lage, diese Sammlung dauerhaft zu sichern und aufzubereiten. Dabei wird es vermehrt von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterstützt.
Die Bearbeitung der Sammlungen wird sich über viele Jahre erstrecken. Ergebnisse sind umso schneller zu erwarten, je mehr neue fachkundige ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich engagieren und je mehr Drittmittel eingeworben werden können. Schrittweise wird die Paul Lazarus Stiftung der Öffentlichkeit ein Archiv zur Verfügung stellen, das allen Interessierten von Nutzen sein kann, um zur Erinnerungskultur beizutragen.

TONDOKUMENTE
Über viele Jahre wurden im Aktiven Museum Spiegelgasse Gespräche mit Zeitzeugen (Holocaust-Überlebenden und Widerstandskämpfern) aufgezeichnet. Diese Tondokumente (ca. 130 Stunden Interviews) wurden von einem Klangakustiker mit Unterstützung des Präsidiums der Hochschule RheinMain  digitalisiert und restauriert.
Im September 2008 wurde mit der Produktion der Hörbuchreihe „Edition Zeugen einer Zeit” begonnen, die jetzt von der Paul Lazarus Stiftung weitergeführt wird. Diese Edition setzt sich bewusst von der gängigen Form der Zeitzeugendokumentation ab. Die jeweils vollständige Lebensgeschichte eines Zeitzeugen wird betrachtet und der Fokus nicht ausschließlich auf die von Zwängen bestimmte Zeit seiner oder ihrer Verfolgung gesetzt.
Die Hörbücher erscheinen in loser Reihenfolge und können über die Geschäftsstelle des Aktiven Museums Spiegelgasse, bei der Paul Lazarus Stiftung (Shop) oder im Buchahndel bestellt werden. 

FOTODOKUMENTATION
Die umfangreiche Foto- und Dia-Sammlung zu historischen wie zeitgeschichtlichen Ereignissen jüdischen Lebens und jüdischer Familien wird digitalisiert und aufbereitet. Diese Sammlung basiert einerseits auf Überlassungen oder Schenkungen ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger und deren Nachkommen, mit denen das Aktive Museum Spiegelgasse seit Jahren in Kontakt steht und die das Aktive Museum bei Besuchen in Wiesbaden betreut. Andererseits steht dem Aktiven Museum Spiegelgasse die Sammlung der Deportationsfotos von „Photo Rudolph“ zur Verfügung. Die Fotos werden personenbezogen identifiziert sowie zeitgeschichtlich ein- und zugeordnet. Damit entstehen zunächst knappe „biographische Skizzen“, die für Bildungsangebote nützlich und für weitere Forschung wichtig sind. Nach Abschluss eines Depositialvertrages wird die Sammlung sowohl über das Stadtarchiv Wiesbaden als auch über das derzeit entstehende Stadtmuseum Wiesbaden zur Verfügung stehen.

 Beispiel: Fotos des ehemaligen Wiesbadeners Otto Decker

DATENBANK der SHOAH-OPFER
Als Ergebnis quellenkritischer Forschung hat das Aktive Museum Spiegelgasse eine Datenbank aller nach dem derzeitigen Informationsstand identifizierbarer Shoah-Opfer aus Wiesbaden angelegt. Auf der Grundlage der Datenbank „Namentliches Gedenken“, die das Stadtarchiv Wiesbaden seit 2003 aufbaut, haben Nachwuchswissenschaftlerinnen in zweijähriger Arbeit Recherchen in einschlägigen Archiven und Datenbanken des In- und Auslandes durchgeführt. Ausgewertet wurden außerdem die museumseigene Sammlung der Korrespondenzen mit ehemaligen jüdischen Bürgern Wiesbadens sowie die Protokollbücher der Landeshauptstadt Wiesbaden. Die Datenbank der Shoah-Opfer ist seit Juli 2008 abgeschlossen. Die Namen aller Ermordeten sind in der Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust am Michelsberg in Stein geschrieben. Diese Gedenkstätte der Landeshauptstadt Wiesbaden am Ort der ehemaligen liberalen Synagoge wurde am 27. Januar 2011 fertig gestellt. (siehe auch: Geschichte und Erinnerung )
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Festakt zur Übergabe der Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden an die Bürgerschaft am 27. Januar 2011 –
Redebeitrag
des stellvertretenden Vorsitzenden des Aktiven Museums Spiegelgasse, Luciano Becht

aus Doku. d. Wettbewerbsergebnisse-Hrsg. LH Wiesbaden, 2007 aus Doku. d. Wettbewerbsergebnisse-Hrsg. LH Wiesbaden, 2007
1. Preis des Wettbewerbs zur Gedenkstätte
am Michelsberg am Standort der ehemaligen Synagoge
 
Entwurf des Schriftbandes mit den Namen der Opfer der Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden